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Die letzten Minuten beim Football-Scalping: Wenn ein Tor den ganzen Trade verändert

In der 88. Minute wirkt der Trade fast erledigt. Die Quote hat sich ein wenig bewegt, der geplante Gewinn ist klein, und der Abpfiff scheint nahe. Dann fällt ein Tor. Der Markt wird ausgesetzt, die alte Ausstiegsquote verschwindet, und beim nächsten handelbaren Preis sieht dieselbe Position völlig anders aus. Für eine Back-Unter-Position kann der erste Treffer bereits einen erheblichen Verlust bedeuten, auch wenn die gewählte Torgrenze noch gar nicht überschritten wurde. Genau dieses Zusammenspiel interessiert mich an späten Spielphasen: Wie viel Zeit bleibt tatsächlich? Welchen Torpuffer hat mein Markt? Wie lange will ich offen bleiben? Und zu welchem Preis lässt sich meine Position wirklich verändern? Diese Fragen müssen meine Daten und meine Positionsrechnung gemeinsam beantworten. Eine allgemeine Warnung vor der Nachspielzeit hilft dabei ebenso wenig wie das Versprechen, eine Excel-Tabelle könne jeden ungünstigen Verlauf abfangen.

1. Toranteil, Spielwahrscheinlichkeit und Haltedauer sind verschiedene Größen

Eine Aussage wie „20 Prozent aller Tore fallen spät“ beschreibt zunächst, wie sich Tore über die Spielzeit verteilen. Für einen Trade brauche ich jedoch eine andere Information: Wie häufig fiel in vergleichbaren Spielen ab meinem Einstiegszeitpunkt mindestens ein weiterer Treffer? Und wie häufig geschah das während meiner vorgesehenen Haltedauer? Der Unterschied lässt sich an einem frei gewählten Zahlenbeispiel zeigen. In 100 Spielen fallen insgesamt 300 Tore, davon 60 spät. Der Anteil später Tore beträgt damit 20 Prozent. Diese 60 Treffer könnten sich auf 60 Spiele mit jeweils einem späten Tor verteilen oder auf 30 Spiele mit jeweils zwei späten Toren. Der Toranteil wäre identisch, die Häufigkeit von zwei späten Treffern grundverschieden. Ohne Verteilung auf die einzelnen Spiele beantwortet die Zahl meine Handelsfrage nicht. Auch die Zeitgrenze muss eindeutig sein. „Ab Minute 76“, „ab Minute 86“ und „nach Ablauf der regulären 90 Minuten“ sind unterschiedliche Untersuchungen. Eine Quote aus dem letzten Viertelstundenabschnitt darf ich nicht auf die letzten vier Minuten übertragen. Für mein Modell gehören deshalb Einstiegszeitpunkt, Spielstand zu diesem Zeitpunkt, untersuchter Zeitraum und Anzahl der vergleichbaren Spiele zusammen. Eine eindrucksvolle Prozentzahl wird erst durch ihren Nenner und ihre genaue Fragestellung brauchbar. Ob zwei weitere Tore selten sind, hängt von diesen Bedingungen ab. Ein fester Wert für alle Ligen, Spielstände und Nachspielzeiten würde Unterschiede verdecken, die für meine Entscheidung gerade entscheidend sein können.

2. Ab Minute 86 ist die Restzeit noch nicht bekannt

Wer bei 86:00 einsteigt, kennt den späteren Abpfiff noch nicht. Endet die Begegnung bei 94:00, bleiben acht Minuten auf der Spieluhr. Endet sie bei 100:00, sind es vierzehn. Beide Spiele würden in einer einfachen Auswertung „ab Minute 86“ zusammenfallen, obwohl das untersuchte Zeitfenster unterschiedlich lang ist. Zudem sind das Minuten auf der Spieluhr einschließlich weiterer Unterbrechungen. Die effektive Spielzeit, in der der Ball tatsächlich im Spiel ist, kann deutlich kürzer sein. Nach IFAB-Regel 7 werden unter anderem Zeitverluste durch Auswechslungen, Verletzungen, Disziplinarmaßnahmen, VAR und Torjubel berücksichtigt. Die angezeigte Nachspielzeit ist eine Mindestdauer und kann verlängert werden. [1] Ich unterscheide hier die Nachspielzeit einer Halbzeit von einer möglichen Verlängerung mit zusätzlichen Spielabschnitten; deren Einbeziehung richtet sich nach dem gewählten Markt. Mehr Restzeit erweitert grundsätzlich das Zeitfenster, in dem weitere Tore fallen können. Wie stark sich dadurch die Wahrscheinlichkeit verändert, hängt zusätzlich vom Spiel ab. Eine Vergleichsstudie zu den WM-Gruppenphasen 2018 und 2022 fand trotz längerer Nachspielzeit 2022 keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Zahl der Nachspielzeittore. Dieser Befund gilt für die untersuchte Stichprobe und liefert keine allgemeine Ligaquote ab Minute 86. [2] Für meine Excel-Auswertung folgt daraus eine konkrete Anforderung: Bei der Nachbereitung darf ich die tatsächliche Endzeit verwenden. Ein historisch nachgestelltes Einstiegssignal muss dagegen mit den Informationen auskommen, die damals schon vorlagen. Den späteren Abpfiff bereits beim Einstieg als bekannt anzunehmen, würde dem Modell einen Vorteil verschaffen, den ich im Live-Handel nicht habe.

3. Drei Minuten und zehn Minuten ergeben unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten

Wie stark die Haltedauer das Ergebnis verändert, zeigt eine einfache Poisson-Modellrechnung. Ich nehme dafür frei gewählt an, dass im betrachteten Zustand durchschnittlich 0,04 Tore pro Minute zu erwarten wären. Für dieses Lehrbeispiel bleibt diese Rate konstant; die Torereignisse werden als unabhängig modelliert. Daraus folgen für zehn Minuten durchschnittlich 0,40 erwartete Tore und für drei Minuten 0,12. Diese Zahlen stammen aus keiner Auswertung meiner Spiele. Sie zeigen ausschließlich, wie sich verschiedene Zeitfenster unter derselben Annahme auswirken. Mit m als erwarteter Torzahl gilt: Die Wahrscheinlichkeit für kein Tor beträgt e−m; für mindestens zwei Tore beträgt sie 1 − e−m × (1 + m). Daraus ergeben sich die folgenden Werte.

Frei gewählte Modellrechnung; gerundete Werte, keine gemessenen Trefferquoten.
Zeitraum Erwartete Tore Kein Tor Genau ein Tor Mindestens zwei Tore
10 Minuten 0,40 67,03 % 26,81 % 6,16 %
3 Minuten 0,12 88,69 % 10,64 % 0,66 %

Im dreiminütigen Fenster liegt die Wahrscheinlichkeit für mindestens einen Treffer in diesem Modell bei 11,31 Prozent. Für mindestens zwei Treffer sind es lediglich 0,66 Prozent. Eine geringe Wahrscheinlichkeit für zwei Tore kann deshalb gleichzeitig mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit für einen einzelnen Treffer bestehen. Gerade dieser erste Treffer kann meine Position erheblich verändern. Auf dem Platz können Tor, Platzverweis und taktische Reaktion zudem die Ausgangsannahmen verändern; die konstante Rate dient hier nur dazu, den Einfluss der Zeitspanne nachvollziehbar zu machen. Für einen dreiminütigen Scalp beantwortet eine Statistik bis zum Abpfiff eine andere Frage. Beide Auswertungen können nützlich sein, müssen aber getrennt angezeigt und interpretiert werden.

4. Der Torpuffer entscheidet, welcher Treffer die Position trifft

Beim Spielstand von 1:0 liegt bereits ein Treffer vor. Ob ein weiteres Tor eine Back-Unter-Position sofort verliert oder zunächst ihre Bewertung verändert, hängt von der gewählten Torgrenze ab. Ich betrachte hier feste Halbtorlinien für das gesamte Spiel unter regulärer Abrechnung. Der Torpuffer beschreibt, wie viele zusätzliche Treffer der Under-Ausgang noch verträgt. Er sagt zunächst nichts darüber aus, welchen zwischenzeitlichen Kursverlust die Position verkraften muss. Gerade diese Unterscheidung ist wichtig: Ein Markt kann nach einem Tor weiterhin gewinnfähig sein, während ein sofortiger Ausstieg bereits einen erheblichen Verlust ergeben würde. Der bloße Blick auf eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass keine zwei weiteren Tore fallen, reicht zur Bewertung deshalb nicht aus.

Spielstand 1:0: Auswirkungen eines weiteren regulären Treffers auf feste Under-Linien.
Back-Position Weitere Tore, die Under noch erlaubt Stand nach dem nächsten Tor
Unter 1,5 Tore 0 Zwei Gesamttore: Der Under-Ausgang hat verloren.
Unter 2,5 Tore 1 Zwei Gesamttore: Under bleibt möglich, verträgt aber keinen weiteren Treffer.
Unter 3,5 Tore 2 Zwei Gesamttore: Ein weiterer Treffer wäre noch erlaubt.

Bei Unter 1,5 kann ich nach dem nächsten gültigen Tor keine rettende Gegenposition in diesem bereits entschiedenen Markt mehr einplanen. Bei Unter 2,5 verändert derselbe Treffer den verbleibenden Puffer und die handelbaren Preise. Unter 3,5 bietet mehr Torpuffer, hat bei derselben Spielsituation normalerweise aber auch eine niedrigere Back-Quote. Die zusätzliche Toleranz muss deshalb zusammen mit Einstiegspreis, möglichem Tickgewinn und Ausstiegsmöglichkeiten betrachtet werden. Für meine Auswertung gehört zur Spielminute immer die konkrete Torlinie. Eine allgemeine Kennzahl „späte Tore“ wäre zu grob, um diese unterschiedlichen Positionen wirtschaftlich zu beurteilen. Auch die Bezeichnung „Totalverlust der Margin“ wäre hier ungenau: Einsatz, Lay-Haftung, geplanter Gewinn und aktueller Positionsverlust sind verschiedene Größen.

5. Nach einem Tor beginnt eine neue Bewertung

Bei unverändertem Spielstand und sonst gleichen Annahmen wird eine feste Under-Linie mit ablaufender Restzeit wahrscheinlicher. Ihre Quote sinkt tendenziell; die Quote des entsprechenden Over-Ausgangs steigt. Nach einem Treffer verschiebt sich die Bewertung typischerweise in die andere Richtung: Under wird unsicherer und seine Quote steigt, während die Over-Quote fällt, sofern der Markt noch offen ist. Auch die Geschwindigkeit dieser Bewegung hängt von Torlinie, Spielstand und erwarteter Restzeit ab. Eine pauschale Aussage, dass in einer bestimmten Spielphase alle Quoten besonders günstig für Scalper laufen, lässt sich daraus nicht ableiten. Für eine bestehende Position kann der erste Treffer den vorgesehenen Ausstiegspreis bereits unbrauchbar machen, obwohl ein zweiter Treffer noch gar nicht gefallen ist.

Bei Toren, möglichen Elfmetern oder Platzverweisen muss ich außerdem mit einer Marktaussetzung rechnen. Betfair führt Tor, Elfmeterentscheidung und Platzverweis als wesentliche Ereignisse in seinen Exchange-Regeln auf. Eine Aussetzung bei jedem gewöhnlichen Einwurf oder Foul lässt sich daraus nicht ableiten. Auch ein Cash-out-Auftrag ist laut diesen Regeln nicht garantiert ausführbar. [3] Betfair nennt für In-Play-Orders zudem üblicherweise Annahmeverzögerungen zwischen einer und zwölf Sekunden. [5] Ein geplanter Stopp kann daher eine Reaktion auslösen, ohne den gewünschten Ausführungspreis zu sichern. Nach der Freigabe kann die nächste verfügbare Quote bereits deutlich entfernt liegen. Ob nach einem Ausgleich weitere Tore wahrscheinlicher geworden sind, muss ich anhand der neuen Situation prüfen. Welches Team braucht jetzt noch einen Treffer? Welche Ordnung bleibt erhalten? Wie viel Zeit ist voraussichtlich übrig? Ein 2:0 kann ebenso unterschiedliche Reaktionen auslösen. Psychologische Erklärungen wie Panik, Wut oder völlige Aufgabe sind ohne weitere Beobachtung keine belastbaren Modellvariablen. Eine Häufung schneller Folgetore in den Daten wäre zunächst ein Befund, dessen Bedingungen untersucht werden müssen. Auch eine zuvor eingegangene Over-Position liefert nach einem Tor keinen automatisch maximalen Gewinn. Für ihren Ausstieg zählen die tatsächlich erreichbaren Preise und ihre eigene Torlinie. Ein Ereignis allein bestimmt weder die optimale Handlung noch den besten Zeitpunkt.

6. Wenn ein Verlust dreißig kleine Gewinne aufzehrt

Die wirtschaftliche Wirkung lässt sich mit einer eigenständigen Positionsrechnung zeigen. Angenommen, ich habe Unter 2,5 bei einem Spielstand von 1:0 mit 100 Euro zu Quote 1,20 gebackt. Für einen günstigen Verlauf unterstelle ich eine vollständig angenommene Lay-Gegenposition zu 1,19. Für einen ungünstigen Verlauf unterstelle ich nach einem weiteren Tor eine ausführbare Lay-Quote von 1,60. Diese Preise sind frei gewählt und keine Prognose einer bestimmten Partie. Es handelt sich um eine separate Rechnung, unabhängig von der vorigen Poisson-Annahme. Für die Angleichung beider regulären Marktausgänge ergibt sich der Lay-Einsatz aus Back-Einsatz × Back-Quote ÷ Lay-Quote. Auf Cent gerundet entstehen folgende Ergebnisse vor Gebühren.

Dieselbe Back-Position: 100 Euro zu 1,20 auf Unter 2,5; jeweils vollständige Gegenposition.
Angenommene Ausstiegsquote Benötigter Lay-Einsatz Gesamtergebnis, falls Under gewinnt Gesamtergebnis, falls Over gewinnt
1,19 100,84 € +0,84 € +0,84 €
1,60 75,00 € −25,00 € −25,00 €

Im günstigen Verlauf bringt der eine Tick rund 84 Cent. Im ungünstigen Verlauf ergeben sich 25 Euro Verlust. Ein solcher Verlust entspricht fast dreißig dieser kleinen Gewinne. In einem vereinfachten Modell, das ausschließlich aus diesen beiden Ergebnissen besteht, wäre bereits vor Gebühren eine Gewinnquote von rund 96,75 Prozent nötig, um rechnerisch die Gewinnschwelle zu erreichen. Mit den gerundeten Ergebnissen würden 95 Gewinne zu je 0,84 Euro zusammen 79,80 Euro bringen; fünf Verluste zu je 25 Euro würden 125 Euro kosten. Der Saldo wäre trotz 95 Prozent erfolgreicher Trades mit 45,20 Euro im Minus. Entscheidend sind somit die Größen und Häufigkeiten der Ergebnisse zusammen. Ob ich die Gegenposition vollständig auf einmal oder in mehreren Schritten aufbaue, verändert die Berechnung der offenen Position: Es zählen sämtliche tatsächlich angenommenen Einsätze und Quoten. Für meine gestaffelte Absicherung müssen daher nach jedem Schritt die möglichen Gesamtergebnisse neu feststehen.

7. Liquidität steht im Orderbuch, nicht in der Spielminute

Die Behauptung, dass nach Minute 85 grundsätzlich alle Profis verschwunden seien und der Markt austrockne, wäre ohne entsprechende Orderbuchdaten zu pauschal. Für meinen Ausstieg interessiert mich konkret, welche Beträge auf der benötigten Seite des Marktes zu welchen Preisen verfügbar sind. Betfair unterscheidet diese angebotenen Beträge vom bereits insgesamt gehandelten Volumen. Auch eine nur teilweise angenommene Gegenwette ist möglich. [4] Ein hohes Gesamtvolumen beweist deshalb noch keine ausreichende Ausstiegstiefe für meine Position. Muss eine größere Gegenposition mehrere Preisstufen beanspruchen, kann ihre durchschnittliche Quote schlechter ausfallen als der zunächst sichtbare beste Preis. Währenddessen können sich die angebotenen Beträge weiter verändern. Nach einem Tor muss ich die verfügbaren Preise und Mengen erneut prüfen; eine Aufnahme vor dem Treffer beschreibt nur die damalige Situation. Damit lässt sich auch die verbreitete Einteilung „Minute 60 bis 75 ist sicher, Nachspielzeit ist gefährlich“ fachlich nicht begründen. Bereits früher kann ein spezieller Torlinienmarkt für meinen Einsatz zu wenig verfügbare Gegenpositionen bieten. Ein spät noch gehandelter Markt muss anhand seiner aktuellen Preise, Mengen und Ereignisse beurteilt werden. Meine Frage lautet deshalb: Welches Gesamtergebnis könnte ich mit meiner tatsächlichen Position zu den jetzt angebotenen Bedingungen erreichen? Ein geplanter Gewinn ist erst durch passende, angenommene Gegenwetten entsprechend abgesichert. Die Spielminute bleibt eine wichtige Information, ersetzt diese Berechnung aber nicht. Eine pauschale Annahme über das Verhalten unsichtbarer Marktteilnehmer würde mir dafür keine verlässliche zusätzliche Grundlage liefern.

8. Welche Auswertungen Excel für die Schlussphase liefern sollte

Meine Tabelle sollte die beiden Zeithorizonte nebeneinander zeigen: den geplanten kurzen Trade und den möglichen Verlauf bis zum Abpfiff. Dafür brauche ich zu jedem untersuchten Zeitpunkt den damaligen Spielstand und die danach gefallenen Tore. Sämtliche Spiele müssen nach denselben, bereits zu diesem Zeitpunkt bekannten Auswahlkriterien in die Stichprobe gelangen. Auch Begegnungen ohne weiteren Treffer gehören in den Nenner. Eine Auswertung nur der Spiele, in denen später noch ein Tor fiel, würde für einen gewöhnlichen Einstieg eine andere, nachträglich ausgewählte Gruppe beschreiben. Fallzahl, Liga, Zeitraum und Datenqualität gehören zum Ergebnis. Doppelte Begegnungen dürfen die Fallzahl nicht künstlich erhöhen. Die folgenden Kennzahlen erfüllen unterschiedliche Aufgaben und sollten entsprechend bezeichnet werden.

Vorschlag für die Auswertung; die genaue Definition jedes Fensters muss feststehen.
Kennzahl Was sie beantwortet
Torfrei während der geplanten Haltedauer Wie häufig fiel beispielsweise in den drei Minuten nach dem Einstieg kein Tor?
Zwei oder mehr Tore bis zum Abpfiff Wie häufig wurden ab demselben Zeitpunkt noch mindestens zwei Treffer erzielt?
Zeit bis zum ersten weiteren Tor Wie früh hätte ein Treffer die offene Position verändert?
Abstand zwischen zwei weiteren Toren Wie viel Zeit lag in den betreffenden Fällen zwischen diesen Ereignissen? Das ist keine garantierte Ausstiegszeit.
Geplanter und tatsächlich ausgeführter Ausstieg Welche Quote und welcher Einsatz wurden wirklich angenommen, und welche Restposition blieb bestehen?
Nettoergebnis der zusammengehörenden Positionen Was blieb nach sämtlichen Einstiegen, Gegenpositionen und Gebühren übrig?

Besonders wichtig ist die Erfassung der Nachspielzeit. Wenn Treffer in Minute 90+2 und 90+8 beide nur als „90“ gespeichert werden, verschwindet ihr sechsminütiger Abstand. Eine Analyse kurzer Zeitfenster oder schneller Folgetore wäre damit verfälscht. Die ursprüngliche Zeitangabe und die Zuordnung zur Halbzeit sollten deshalb erhalten bleiben. Der Zeitpunkt des letzten Tores ersetzt außerdem keine dokumentierte Abpfiffzeit. Für genaue Grenzen sind möglichst Sekundenangaben hilfreich; mit gerundeten Tor-Minuten bleibt die zeitliche Einordnung entsprechend ungenau. Fehlende Ereignisdaten dürfen nicht als torfreie Phase gewertet werden. Fehlen historische Quoten und Ausführungsdaten, kann Excel die Torereignisse auswerten, aber daraus keinen tatsächlich handelbaren Gewinn rekonstruieren. Bei Auswertungen bis zum Abpfiff sollte außerdem sichtbar bleiben, wie unterschiedlich lang die damaligen Restzeiten waren. Endet die Partie vor Ablauf meiner geplanten Haltedauer, erfasse ich die tatsächlich kürzere Beobachtungszeit gesondert. Eine gefundene Regel prüfe ich anschließend mit später hinzugekommenen Spielen, ohne sie nach jedem auffälligen Einzelfall umzubauen. Für jede historische Entscheidung dürfen nur Informationen einfließen, die zu diesem Zeitpunkt bereits verfügbar waren. Auch mehrere Fenster desselben Spiels sind keine voneinander unabhängigen Bestätigungen. Wenn ich sehr viele Ligen, Minuten, Spielstände und Torlinien durchsuchen lasse, können überzeugende Muster allein durch die große Zahl ausprobierter Varianten entstehen. Eine zusätzliche Prüfung an bislang unberührten Spielen ist deshalb ein wesentlicher Teil der Arbeit. Dabei interessiert mich neben der Torfrei-Quote besonders das Verhältnis zwischen kleinen regelmäßigen Gewinnen und den selteneren größeren Verlusten. Genau dort entscheidet sich, ob ein Signal für meinen Handel wirtschaftlich brauchbar war.

9. Wo ich meine persönliche Grenze ziehe

Ein fester Handelsschluss, etwa in Minute 80, kann eine persönliche Arbeitsregel sein. Seine Begründung sollte zu meiner Ausführung, meinen Daten und meinen Ergebnissen passen. Eine solche Grenze gewinnt an Aussagekraft, wenn ich unterschiedliche Einstiegsphasen nach derselben Methode vergleiche: gleiche Haltedauer, vergleichbare Spielstände, konkrete Torlinien, tatsächlich angenommene Preise und alle zugehörigen Gebühren. Dann kann sichtbar werden, ob eine Phase für meine Arbeitsweise bessere Ergebnisse liefert oder ob ein scheinbarer Vorteil nur aus größeren Einsätzen, anderen Märkten oder wenigen günstigen Spielen stammt. Die Minute allein erklärt das Ergebnis noch nicht. Auch nach vielen erfolgreichen Trades bleibt die tatsächlich offene Position die Größe, die ich beurteilen muss. Excel kann mir dabei helfen, ungeeignete Fälle auszusortieren, Zeitfenster sauber zu definieren und Entscheidungen später ehrlich zu überprüfen. Es kann eine ausgesetzte Börse jedoch nicht öffnen und eine eingestellte Gegenwette nicht in eine angenommene verwandeln. Für mich entsteht der schwierige Moment der Schlussphase dort, wo eine bisher plausible Annahme und die tatsächliche Ausführung auseinanderlaufen. Deshalb gehören Restzeit, Torpuffer, kurzfristiges Torereignis und verbleibendes Ergebnis zusammen auf den Bildschirm. Der Blick auf „zwei weitere Tore“ allein greift zu kurz. Für einen kurzen Under-Scalp kann bereits ein einziges Tor ausreichen, um viele kleine Gewinne aufzuzehren. Meine Auswertung muss genau diesen Fall mitrechnen.

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Quellen und Angaben zu den Rechenbeispielen

Quellencheck: 25. Oktober 2026. Die Poisson-Werte und die Positionsrechnung sind eigene, ausdrücklich gekennzeichnete Modellbeispiele. Sie enthalten keine gemessenen Erfolgsquoten oder beobachteten Kursverläufe meiner Trades.
  1. IFAB, Regel 7: Spielzeit, Zeitverluste und Mindestnachspielzeit.
  2. Wei et al. (2024): Untersuchung der Torverteilung und Nachspielzeit in den WM-Gruppenphasen 2018 und 2022. DOI: 10.23736/S0022-4707.23.15296-0.
  3. Betfair Exchange Rules: wesentliche Ereignisse, Marktaussetzungen, VAR und Cash-out.
  4. Betfair Exchange Glossary: Liquidität, gehandeltes Volumen und vollständig oder teilweise angenommene Wetten.
  5. Betfair Developer Program: Annahmeverzögerung bei In-Play-Orders.

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