Meine zweimal wöchentlich veröffentlichten Goal-Times-Auswertungen sind in den vergangenen Wochen immer umfangreicher geworden. Das ist grundsätzlich erfreulich, denn in der Excel-Datei stehen inzwischen nicht mehr nur grüne Zeitfenster, sondern auch zusätzliche Risikomodelle, Warnhinweise, FT-Torobergrenzen, Bestätigungen und erste Meta-Auswertungen. Gleichzeitig entsteht damit aber ein neues Problem: Je besser die Datenbasis wird, desto schwieriger wird es, die Geschichte hinter den Zahlen auf den ersten Blick zu erkennen.
Eine Excel-Datei kann sehr präzise sein. Sie kann Wahrscheinlichkeiten, Trefferzeiten, historische Referenzen und Modellbewertungen sauber nebeneinanderstellen. Was sie nur begrenzt kann, ist zu erklären, warum mir eine bestimmte Kombination auffällt, warum zwei Modelle sich scheinbar widersprechen oder welche Frage ich mir bei einem Spiel vor dem Anpfiff eigentlich stelle. Genau dafür möchte ich ab Goal Times 108 ein neues Format testen und die reine Zahlenebene um eine narrative Ebene erweitern.
Daten → Interpretation → Realität → Lerneffekt
Aus einer Goal-Times-Ausgabe sollen künftig mehrere miteinander verbundene Ebenen entstehen. Die veröffentlichte Excel-Datei bleibt dabei die Grundlage. Dort stehen die Berechnungen vor dem Spiel: grüne Phasen, Risiko schneller Mehrfachtore, Warnmodell für ruhige Startphasen, FT-Torobergrenze, Bestätigungen und weitere Zusatzsignale. Diese Werte sollen nicht nachträglich an ein Ergebnis angepasst werden. Damit bekommt die Excel-Datei gewissermaßen einen Zeitstempel: Das war unser Datenstand, bevor wir wussten, was tatsächlich passieren würde.
Die zweite Ebene ist der neue Pre-Podcast. Er soll ebenfalls vor den Spielen erscheinen, aber ausdrücklich keine vorgelesene Excel-Tabelle und auch keine Liste vermeintlich „sicherer Tipps“ sein. Stattdessen geht es um die Fragen hinter den Zahlen: Bei welchen Spielen zeigen mehrere Modelle in dieselbe Richtung? Wo widersprechen sich die Berechnungen? Warum kann ein Spiel viele grüne Minuten besitzen und trotzdem beim Risiko schneller Mehrfachtore ungünstiger aussehen? Welche Begegnungen eignen sich besonders gut als Beobachtungsfälle – und was müsste im realen Spiel passieren, damit ich meine Vorabeinschätzung anschließend kritisch hinterfragen muss?
Pre-Podcast Goal Times 108 – vor den Spielen
Hier soll der erste Pilot-Podcast eingebunden werden. Die Aufgabe dieses Pre-Podcasts ist nicht, ein Endergebnis vorherzusagen, sondern die statistischen Auffälligkeiten aus Goal Times 108 verständlich einzuordnen und konkrete Beobachtungsfragen für die noch ausstehenden Spiele festzuhalten. Genau diese Aussagen werden später im Post-Podcast wieder hervorgeholt.
🎧 Pre-Podcast zu Soccer Scalping Goal Times 108:
Wichtig: Dieser Pre-Podcast wird vor Kenntnis der Ergebnisse der betrachteten Spiele veröffentlicht. Seine Aussagen sollen später nicht nachträglich angepasst werden.
Goal Times 108 wird zum Pilot
Als ersten Test verwende ich die Ausgabe Soccer Scalping Goal Times 108. Sie umfasst insgesamt 57 Spiele vom 18. bis 20. August 2026. Da dieses neue Format erst am 19. August startet, werden die bereits für den 18. August angesetzten Begegnungen nicht nachträglich als „Pre-Prognosen“ dargestellt. Für den eigentlichen Pilot-Pre-Podcast konzentriere ich mich deshalb auf die noch relevanten Spiele vom 19. und 20. August.
Gerade dort entstehen interessante Kontraste. Bei Mamelodi Sundowns – Marumo Gallants stehen beispielsweise besonders viele grüne Minuten im Blatt, während das separate Risiko für zwei schnelle Treffer nicht zwingend dasselbe Bild zeichnet. Rayo Vallecano – Alaves ist dagegen ein Fall, bei dem mehrere Modelle gleichzeitig auffällig werden. Bei Concarneau – Villefranche und KaPa – JIPPO ist wiederum der Widerspruch interessant: Die grüne Markierung kann attraktiv aussehen, während ein anderes Risikomodell vorsichtiger wird. Und Sheffield Wednesday – Bradford City ist für mich deshalb spannend, weil das Gesamtbild interessant ausfällt, obwohl kein klassischer Grünblock ausgewiesen ist. Genau solche Unterschiede lassen sich in einem Gespräch wesentlich besser erklären als in einer zusätzlichen Excel-Spalte.
Der Post-Podcast: Jetzt bekommt die Realität das letzte Wort
Nach den Spielen folgt für mich der vielleicht wichtigste Teil. Im Post-Podcast sollen die vorher festgehaltenen Aussagen wieder hervorgeholt und mit der Realität verglichen werden – ausdrücklich nicht nur dann, wenn sie funktioniert haben. Gerade die Gegenbeispiele interessieren mich. Ist in einer grün markierten Phase trotzdem ein Tor gefallen? Sind zwei Treffer innerhalb weniger Minuten gefallen, obwohl das Modell das Risiko niedrig eingeschätzt hatte? War ein Spiel mit hohem Meta-Scalping-Wert praktisch überhaupt interessant? Oder hat eine unscheinbare Warnung genau den Punkt getroffen, den ich vor dem Spiel unterschätzt hatte?
Damit lautet die entscheidende Frage nicht einfach „gewonnen oder verloren?“, sondern: Was kann ich aus diesem Fall für die nächste Auswertung lernen? So entsteht ein Kreislauf aus Daten, Vorabeinschätzung, realem Spielverlauf und neuer Erkenntnis. Die nächste Goal-Times-Ausgabe beginnt dann nicht wieder bei null, sondern baut auf den Erfahrungen der vorherigen Runde auf.
Keine nachträgliche Heldenreise
Mir ist bei diesem Format eine Regel besonders wichtig: Der Pre-Podcast darf später nicht umgeschrieben werden. Die Beobachtungsfragen werden vor dem Spiel festgehalten, und im Post-Podcast wird genau diese Ausgangslage wieder aufgerufen. Wenn ein Modell danebenliegt, gehört das in die Auswertung. Wenn ein vermeintlich starkes Spiel enttäuscht, gehört das genauso dazu. Und wenn sich eine Idee erst nach 100 oder 500 Fällen als stabil erweist, ist das für mich wesentlich wertvoller als ein spektakulärer einzelner Treffer.
Auf football-scalping-strategy.com möchte ich deshalb zunehmend nicht nur Ergebnisse veröffentlichen, sondern den Entwicklungsweg sichtbar machen. Aus einzelnen Tabellen, Blogbeiträgen und Podcasts soll nach und nach ein zusammenhängendes Archiv entstehen, in dem nachvollziehbar bleibt, wie eine Idee entstanden ist, wie sie getestet wurde, wo sie funktioniert hat und wo sie angepasst werden musste.
Ein Angebot für unterschiedliche Leser
Das neue Modell hat noch einen angenehmen Nebeneffekt: Nicht jeder Leser muss denselben Einstieg wählen. Wer Zahlen liebt, kann direkt in die Excel-Datei gehen. Wer wissen möchte, wie ich bestimmte Werte miteinander verbinde, hört den Pre-Podcast. Und wer später überprüfen möchte, was aus diesen Gedanken in der Realität geworden ist, kommt zum Post-Podcast zurück. So entsteht hoffentlich kein einzelner Beitrag, der nach zwei Tagen wieder verschwindet, sondern eine fortlaufende Dokumentation.
Excel ist die Beweisgrundlage. Der Pre-Podcast ist die Hypothese. Der Post-Podcast ist das Lernprotokoll. Genau dieses Zusammenspiel möchte ich mit Goal Times 108 erstmals ausprobieren. Wenn daraus zusätzlich längere Besuche auf der Seite, mehr wiederkehrende Leser und eine bessere Auffindbarkeit der Audioinhalte entstehen, wäre das natürlich willkommen. Der eigentliche Zweck ist aber ein anderer: Aus einer Zahlenwüste soll ein nachvollziehbarer Lernprozess werden.
Weiterführende Informationen
Wer die einzelnen Bausteine hinter diesem neuen Format genauer nachvollziehen möchte, findet hier die wichtigsten Ausgangspunkte:
- Soccer Scalping Goal Times 108 – die Datengrundlage dieses Pilotprojekts
- Strategie-Werkstatt 2026/27 – aktuelle Ideen, Tests und Weiterentwicklungen meiner Scalping-Ansätze
- Risiko 2+ Tore in 6 Minuten – Untersuchung des Risikos schneller Mehrfachtore während kurzer Scalping-Haltephasen
- Ruhige Startphasen – statistische Betrachtung der ersten Spielminuten und das dazugehörige Warnmodell
- FT-Torobergrenze – vom Backtest zum Live-Test: die Strategie hinter den B1-, B2- und B3-Bestätigungen
- Football Scalping Strategy – Grundlagen, Marktmechanik und der übergeordnete Ansatz meines Football-Scalpings
Der erste Pre-Podcast zu Goal Times 108 ist damit bewusst nur der Anfang. Die spannendere Frage folgt nach den Spielen: Was hat die Realität aus unseren Erwartungen gemacht? Genau dort beginnt anschließend der erste Post-Podcast – und damit hoffentlich der eigentliche Lerneffekt dieses neuen Formats.
Hinweis: Die dargestellten Modelle dokumentieren meine persönliche statistische Vorgehensweise beim Football-Scalping. Sie sind keine Garantie für den Verlauf eines einzelnen Spiels.