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Große Spreads, kleines Volumen: Wie Market Making in illiquiden Fußballmärkten funktioniert
Low-Liquidity Scalping klingt auf den ersten Blick verlockend: große Abstände zwischen Back- und Lay-Quote, weniger hektische Märkte und die Möglichkeit, selbst als Liquiditätsanbieter aufzutreten. Doch lässt sich mit diesen großen Kurslücken in der Praxis tatsächlich profitabel handeln? Oder ist das Risiko, nur auf einer Seite des Trades gematcht zu werden, am Ende größer als der mögliche Gewinn? Genau das möchte ich in den kommenden Wochen herausfinden.
Vorab: Diese Tradingvariante ist auch für mich Neuland
Bevor ich die Funktionsweise dieser Methode erkläre, möchte ich einen wichtigen Punkt ausdrücklich erwähnen: Ich selbst habe Market Making in illiquiden Fußballmärkten bisher noch nicht praktisch gehandelt.
Dieser Beitrag ist deshalb kein Erfahrungsbericht über eine von mir bereits erfolgreich eingesetzte Strategie. Er beschreibt eine Tradingidee, mit der ich mich aktuell beschäftige und die ich zunächst beobachten, anschließend mit kleinen Einsätzen testen und danach ausführlich auswerten möchte.
Die Zeit bis zum Saisonstart vieler europäischer Fußballligen bietet sich dafür gut an. Während in den großen europäischen Wettbewerben noch Sommerpause herrscht oder nur wenige reguläre Ligaspiele stattfinden, kann ich mich intensiver mit kleineren Märkten, Sommerligen, Nachwuchswettbewerben und weniger beachteten Begegnungen beschäftigen. Dabei geht es mir nicht darum, möglichst schnell einen neuen „Geheimtrick“ zu präsentieren. Ich möchte prüfen, ob die theoretisch attraktiven Spreads unter realen Bedingungen tatsächlich handelbar sind.
Besonders interessieren mich dabei folgende Fragen:
- Wie häufig werden beide Seiten eines Trades vollständig gematcht?
- Wie oft bleibt nur eine offene Back- oder Lay-Position zurück?
- Welche Probleme entstehen durch Teilausführungen?
- Wie lange dauert es, bis eine Gegenorder angenommen wird?
- Wie teuer ist ein notwendiger vorzeitiger Ausstieg?
- Bleibt nach Gebühren überhaupt ein realistischer Nettogewinn übrig?
Die Ergebnisse werde ich auf diesem Blog veröffentlichen – unabhängig davon, ob sie positiv oder negativ ausfallen. Dazu gehören nicht nur erfolgreiche Trades. Auch nicht ausgeführte Orders, Teilausführungen, Verlustausstiege und mögliche Fehlentscheidungen sollen Teil der späteren Auswertung sein.
Warum viele Trader zuerst in den großen Fußballmärkten landen
Wenn Fußball-Trader nach geeigneten Märkten suchen, landen sie meistens dort, wo auch die meisten anderen Marktteilnehmer aktiv sind:
- Premier League
- Bundesliga
- Champions League
- Europa League
- internationale Topspiele
Auf den ersten Blick ist das verständlich. In diesen Märkten befindet sich viel Geld. Wetten werden häufig innerhalb kürzester Zeit ausgeführt und offene Positionen lassen sich normalerweise relativ problemlos wieder schließen. Die hohe Liquidität hat jedoch auch eine Kehrseite.
Die Abstände zwischen Back- und Lay-Quote sind häufig sehr klein. Professionelle Trader, automatisierte Handelssysteme und Trading-Bots reagieren innerhalb kürzester Zeit auf Veränderungen. Für einen privaten Trader kann es deshalb schwierig sein, dauerhaft einen Vorteil zu finden. Häufig geht es lediglich darum, einen einzelnen Tick zu gewinnen, während sich zahlreiche andere Marktteilnehmer um dieselbe Position im Orderbuch bemühen. Abseits dieser stark gehandelten Begegnungen existieren jedoch Fußballmärkte, in denen deutlich weniger Geld umgesetzt wird. Dort können zwischen der besten Back- und der besten Lay-Quote große Lücken entstehen. Diese Lücken werden als Spread oder Gap bezeichnet.
Was bedeutet Low-Liquidity Scalping?
Der Begriff „Low Liquidity“ bedeutet übersetzt geringe Liquidität. Die Liquidität beschreibt vereinfacht gesagt, wie viel Geld in einem Markt zu bestimmten Quoten angeboten wird.In einem liquiden Markt befinden sich auf beiden Seiten des Orderbuchs größere Geldbeträge. Ein Trader kann seine Position deshalb meistens schnell eröffnen und wieder schließen. In einem illiquiden Markt stehen dagegen möglicherweise nur wenige Euro zu einer bestimmten Quote zur Verfügung. Dadurch können deutliche Abstände zwischen der besten Back- und Lay-Quote entstehen.
Beim klassischen Football-Scalping in Unter-Tore-Märkten spielt häufig der natürliche Quotenverfall eine wichtige Rolle. Solange kein Tor fällt, sinkt die Quote für ein Unter-Ergebnis mit zunehmender Spielzeit. Beim Market Making in illiquiden Märkten steht dagegen nicht primär der Zeitverfall im Mittelpunkt.
Der Trader versucht vielmehr, den Abstand zwischen Back- und Lay-Angeboten zu nutzen. Er stellt selbst bessere Quoten in den Markt und bietet damit anderen Marktteilnehmern Liquidität an.
Was macht ein Market Maker?
Ein Market Maker wartet nicht ausschließlich darauf, bereits vorhandene Quoten anzunehmen. Er stellt eigene Angebote in das Orderbuch. Angenommen, die beste Back-Quote liegt bei 1,75 und die beste Lay-Quote bei 1,95. Zwischen diesen beiden Preisen befindet sich eine große Lücke. Ein Market Maker könnte nun eigene Angebote innerhalb dieser Lücke platzieren, beispielsweise:
- eine Back-Order zu 1,88
- eine Lay-Order zu 1,82
Seine Angebote wären für andere Marktteilnehmer attraktiver als die bisher sichtbaren Quoten.
Wer die Auswahl backen möchte, könnte die angebotene Lay-Quote von 1,82 annehmen.
Wer die Auswahl layen möchte, könnte das Back-Angebot zu 1,88 nutzen.
Werden beide Seiten vollständig gematcht, kann aus dem Unterschied zwischen den beiden Quoten ein Gewinn entstehen.
Das klingt zunächst einfach. Der entscheidende Punkt lautet jedoch:
Eine platzierte Order ist noch kein abgeschlossener Trade.
Erst wenn eine andere Person oder ein automatisiertes System die angebotene Quote annimmt, wird die Order gematcht.
Ein vereinfachtes Beispiel aus dem Orderbuch
Stellen wir uns einen kleinen Fußballmarkt vor, der etwa 30 Minuten vor dem Anpfiff folgendermaßen aussieht:
- Beste verfügbare Back-Quote: 1,75
- Verfügbares Volumen zu 1,75: 14 Euro
- Beste verfügbare Lay-Quote: 1,95
- Verfügbares Volumen zu 1,95: 10 Euro
Zwischen 1,75 und 1,95 befinden sich zunächst keine sichtbaren Angebote.
Der Spread ist damit ungewöhnlich groß.
Möchte ein Wetter beispielsweise sofort 50 Euro auf die Auswahl setzen, können zu einer Quote von 1,75 zunächst nur die verfügbaren 14 Euro ausgeführt werden.
Für den restlichen Betrag benötigt er weitere Liquidität oder muss schlechtere Quoten auf den nächsten Preisstufen akzeptieren.
Hier könnte ein Market Maker versuchen, bessere Preise bereitzustellen.
Er stellt beispielsweise folgende Orders ein:
- Back-Angebot zu 1,88
- Lay-Angebot zu 1,82
Damit befindet er sich auf beiden Seiten innerhalb der ursprünglichen Lücke. Werden beide Orders angenommen, hat er zu einer höheren Quote gebackt und zu einer niedrigeren Quote gelayt.
Warum Back und Lay zunächst verwirrend wirken können
Jede Wette an einer Wettbörse benötigt eine Gegenseite. Wenn Du eine Auswahl backst, muss ein anderer Marktteilnehmer bereit sein, diese Auswahl zu layen. Wenn Du eine Auswahl layst, muss ein anderer Marktteilnehmer bereit sein, sie zu backen.
Beim Market Making platzierst Du daher zwei Angebote:
- ein Angebot für einen Marktteilnehmer, der layen möchte,
- ein Angebot für einen Marktteilnehmer, der backen möchte.
Du schließt jedoch nicht automatisch beide Wetten gleichzeitig ab. Es kann passieren, dass zunächst nur eine der beiden Orders gematcht wird. Ab diesem Moment besitzt Du eine offene Position. Genau hier entsteht das eigentliche Risiko dieser Methode.
Wie hoch wäre der mögliche Gewinn?
Nehmen wir an, eine Back-Wette über 50 Euro wird zu einer Quote von 1,88 vollständig gematcht. Um den Gewinn anschließend bei einer Lay-Quote von 1,82 gleichmäßig zu verteilen, müsste die Lay-Wette ungefähr 51,65 Euro betragen.
- Back-Einsatz: 50,00 Euro
- Back-Quote: 1,88
- Lay-Einsatz: ungefähr 51,65 Euro
- Lay-Quote: 1,82
- Möglicher Bruttogewinn: ungefähr 1,65 Euro
Der Abstand zwischen den beiden Quoten beträgt sechs Ticks. Das bedeutet jedoch nicht, dass automatisch sechs Prozent Gewinn entstehen. Im Beispiel liegt der Bruttogewinn bei ungefähr 3,3 Prozent des ursprünglichen Back-Einsatzes. Davon können anschließend noch Börsenprovisionen und gegebenenfalls weitere Gebühren abgezogen werden. Dieses Beispiel zeigt einen wichtigen Unterschied:
Ticks, prozentuale Rendite und tatsächlicher Eurogewinn sind nicht dasselbe.
Auch identische Back- und Lay-Einsätze erzeugen nicht automatisch einen gleichmäßig verteilten Gewinn. Die Höhe der Gegenwette muss an die jeweiligen Quoten angepasst werden. Eine Hedge- oder Green-up-Funktion kann diese Berechnung übernehmen.
Ist Market Making in illiquiden Märkten risikofrei?
Nein.
Erst wenn beide Seiten vollständig gematcht und die Einsatzhöhen korrekt ausgeglichen wurden, kann eine vom späteren Spielausgang weitgehend unabhängige Position entstehen. Bis zu diesem Zeitpunkt trägt der Trader ein offenes Ausführungs- und Kursrisiko. Das größte Problem entsteht, wenn nur die erste Wette angenommen wird.
Beispiel für eine einseitige Ausführung
Du platzierst eine Back-Order zu 1,88 und eine Lay-Order zu 1,82. Die Back-Order wird vollständig gematcht. Die Lay-Order bleibt jedoch offen. Kurz darauf wird eine wichtige Mannschaftsaufstellung veröffentlicht. Der Markt reagiert und die Quote steigt auf 2,02. Deine gewünschte Lay-Quote von 1,82 wird nun wahrscheinlich nicht mehr angenommen.
Möchtest Du die offene Back-Position schließen, musst Du möglicherweise zu einer deutlich schlechteren Quote layen. Der ursprünglich attraktiv wirkende Spread kann sich dadurch in einen Verlust verwandeln. Ein Marktteilnehmer hat Deine Back-Order möglicherweise gerade deshalb angenommen, weil Deine angebotene Quote aus seiner Sicht nicht mehr dem aktuellen Wert entsprach.
Dieses Problem wird häufig als Adverse Selection bezeichnet. Als Market Maker solltest Du Dich deshalb immer fragen:
Warum möchte jemand ausgerechnet jetzt meine angebotene Quote annehmen?
Ein großer Spread ist nicht automatisch ein Geschenk
Ein Abstand von zehn oder zwanzig Ticks wirkt auf den ersten Blick sehr attraktiv. Ein großer Spread kann jedoch auch ein Warnsignal sein.
Er kann darauf hindeuten, dass:
- nur sehr wenig echtes Handelsinteresse vorhanden ist,
- kaum Geld im Orderbuch liegt,
- Informationen über das Spiel fehlen,
- die sichtbaren Quoten veraltet sind,
- eine Position nur schwer geschlossen werden kann,
- einzelne Marktteilnehmer einen Informationsvorsprung besitzen.
Je größer der Spread ist, desto größer erscheint die theoretische Gewinnspanne. Gleichzeitig kann die Wahrscheinlichkeit sinken, dass beide Seiten vollständig zu den gewünschten Preisen ausgeführt werden. Der Spread ist daher keine garantierte Rendite. Er ist die mögliche Bezahlung dafür, dass der Market Maker Liquidität bereitstellt und das Risiko einer offenen Position übernimmt.
Illiquide Märkte sind nicht automatisch frei von Bots
Es wäre ein Fehler anzunehmen, dass in kleinen Fußballmärkten ausschließlich unerfahrene Freizeitwetter handeln. Auch in weniger bekannten Wettbewerben können automatisierte Handelssysteme, professionelle Trader und datenbasierte Modelle eingesetzt werden. Ein Markt kann äußerlich mehrere Minuten ruhig wirken und sich trotzdem innerhalb weniger Sekunden verändern. Automatisierte Orders können angepasst oder zurückgezogen werden, sobald neue Informationen eintreffen oder sich das Marktverhältnis verändert.
Der geringere Umsatz kann den Konkurrenzdruck möglicherweise reduzieren. Er garantiert jedoch nicht, dass Du ausschließlich gegen menschliche oder unerfahrene Marktteilnehmer handelst.
Pre-Match oder während des Spiels handeln?
Für Anfänger erscheint Low-Liquidity Scalping vor allem als Pre-Match-Strategie geeignet. Während eines laufenden Spiels können sich Quoten nach einem Tor, einer Roten Karte, einem Elfmeter oder einer gefährlichen Situation schlagartig verändern. In einem liquiden Markt lässt sich eine offene Position häufig noch relativ schnell schließen. In einem illiquiden Markt kann die notwendige Gegenwette dagegen fehlen. Das Risiko besteht dann nicht nur in einer ungünstigen Quotenbewegung. Es kann passieren, dass überhaupt kein ausreichendes Geld für einen vernünftigen Ausstieg vorhanden ist.
Auch die Halbzeitpause ist nicht vollkommen ungefährlich. Sie gehört bereits zum In-Play-Handel. Wird der zweite Durchgang angepfiffen, während noch eine Order offen ist, trägt der Trader erneut das volle Spielrisiko.
Für meine ersten Tests soll deshalb eine klare Regel gelten:
Keine offenen Orders beim Anpfiff und zunächst keine Trades, während der Ball rollt.
Die wichtigsten Regeln für meinen geplanten Praxistest
1. Zunächst nur beobachten
Der erste Schritt soll noch nicht aus echtem Trading bestehen. Ich werde geeignete Märkte zunächst beobachten und mögliche Einstiegs- und Ausstiegskurse dokumentieren. Dabei möchte ich feststellen, ob die sichtbaren Spreads tatsächlich nutzbar sind oder lediglich auf dem Bildschirm attraktiv wirken. Ein großer Spread hat keinen Wert, wenn innerhalb der Lücke niemand handelt und die eigenen Orders dauerhaft ungematcht bleiben.
2. Mit sehr kleinen Einsätzen beginnen
Sobald erste Echtgeld-Trades durchgeführt werden, sollen die Einsätze bewusst klein bleiben. Die Einsatzhöhe muss zur Größe des Marktes passen. Eine Order über mehrere Hundert Euro wäre in einem Markt mit nur wenigen Tausend Euro Gesamtumsatz deutlich sichtbar. Sie könnte das Verhalten anderer Marktteilnehmer verändern und den Spread selbst beeinflussen. In der ersten Testphase geht es nicht darum, möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Entscheidend ist, die Funktionsweise, die Ausführungswahrscheinlichkeit und das tatsächliche Verlustrisiko kennenzulernen.
3. Vor jedem Trade eine Abbruchregel festlegen
Bereits vor dem Platzieren der ersten Order muss feststehen:
- Wie lange darf die Gegenorder offen bleiben?
- Wie viele Ticks Verlust werden maximal akzeptiert?
- Wie lange vor dem Anpfiff müssen alle Positionen geschlossen sein?
- Was geschieht bei einer Teilausführung?
Eine mögliche Regel könnte lauten:
Wird die zweite Seite innerhalb von zwei Minuten nicht gematcht, wird die offene Position geschlossen – auch wenn dadurch ein kleiner Verlust entsteht.
Diese Vorgehensweise sollte nicht als „Fill or Kill“ bezeichnet werden.
Fill or Kill ist eine technische Orderart, bei der eine Order sofort vollständig ausgeführt oder gelöscht wird. Für die beschriebene Regel passen Begriffe wie Zeit-Stopp, Maximum-Wait-Regel oder Abbruchregel besser.
4. Teilausführungen ernst nehmen
Eine Order über 50 Euro kann beispielsweise nur mit 12 Euro gematcht werden. Der übrige Betrag bleibt weiterhin offen im Markt.
Dadurch entsteht möglicherweise eine ungleichmäßige Position, die schwieriger abzusichern ist. Während eines Trades muss deshalb jederzeit bekannt sein:
- welcher Betrag bereits gematcht wurde,
- welcher Betrag noch offen ist,
- wie hoch die aktuelle Haftung ist,
- zu welcher Quote die Position sofort geschlossen werden könnte.
5. Einen ausreichenden Abstand zum Anpfiff einhalten
Die Minuten unmittelbar vor dem Spielbeginn können besonders hektisch sein. Aufstellungen, Verletzungen und kurzfristige Informationen können zu schnellen Quotenbewegungen führen. In kleinen Märkten kann sich die vorhandene Liquidität innerhalb weniger Augenblicke vollständig verändern. Es wäre deshalb gefährlich, bis zur letzten Sekunde auf die Ausführung einer Gegenorder zu hoffen. Je geringer die Liquidität eines Marktes ist, desto größer sollte der zeitliche Sicherheitsabstand zum Anpfiff sein.
6. Gebühren vollständig berücksichtigen
Der auf einer Tradingoberfläche angezeigte Green-up-Betrag ist nicht zwangsläufig der endgültige Nettogewinn. Börsenprovisionen können den Ertrag reduzieren. Bei kleinen Scalpinggewinnen fallen diese Gebühren prozentual besonders stark ins Gewicht. Eine Methode darf deshalb nicht nur vor Gebühren profitabel erscheinen. Entscheidend ist der Betrag, der nach allen Kosten tatsächlich übrig bleibt.
Wie finde ich mögliche Testmärkte?
Bei der Suche geht es nicht darum, möglichst unbekannte Fußballligen auszuwählen. Entscheidend ist die Struktur des jeweiligen Orderbuchs.
Mögliche Beobachtungsmärkte können sein:
- kleinere nationale Ligen,
- Sommerligen,
- Nachwuchs- und Reservemannschaften,
- weniger beachtete Pokalspiele,
- internationale Qualifikationsspiele,
- Freundschafts- und Vorbereitungsspiele.
Gerade in der Zeit vor dem Start vieler großer europäischer Ligen rücken solche Wettbewerbe stärker in den Mittelpunkt. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder kleine Markt automatisch geeignet ist. Ein Mindestmaß an Aktivität muss vorhanden sein. Ansonsten kann es passieren, dass zwar ein großer Spread sichtbar ist, aber überhaupt keine Orders ausgeführt werden.
Schritt für Schritt: Ein möglicher Ablauf
Schritt 1: Den Markt mehrere Minuten beobachten
Bevor eine Order platziert wird, sollte das Orderbuch einige Minuten beobachtet werden. Dabei sind unter anderem folgende Fragen wichtig:
- Bleiben die angebotenen Geldbeträge im Markt?
- Werden Orders ständig zurückgezogen?
- Wie häufig werden Wetten tatsächlich gematcht?
- Bewegt sich die Quote trotz des breiten Spreads?
- Gibt es einzelne ungewöhnlich große Geldbeträge?
- Wie schnell erscheint nach einer Ausführung neue Liquidität?
Schritt 2: Den Spread bewerten
Ein breiter Spread ist eine Grundvoraussetzung für diese Variante. Er reicht allein jedoch nicht aus. Zusätzlich muss überprüft werden, ob innerhalb dieser Lücke tatsächlich Handelsaktivität stattfindet. Bleiben alle Orders über einen langen Zeitraum ungematcht, existiert zwar theoretisch eine große Gewinnspanne, praktisch aber keine realistische Ausführungsmöglichkeit.
Schritt 3: Eigene Angebote innerhalb der Lücke platzieren
Liegt die beste Back-Quote beispielsweise bei 2,00 und die beste Lay-Quote bei 2,20, könnten eigene Angebote innerhalb dieses Bereichs platziert werden.
Ein mögliches Beispiel wäre:
- Back-Angebot zu 2,16
- Lay-Angebot zu 2,04
Damit würden auf beiden Seiten bessere Quoten angeboten als die zuvor sichtbaren Marktpreise. Es darf jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass beide Orders gleich schnell angenommen werden.
Schritt 4: Die Warteschlange beobachten
Bei identischen Quoten werden Wetten normalerweise entsprechend ihrer Position in der Warteschlange ausgeführt. Platziert ein anderer Trader vor Dir Geld zu derselben Quote, wird dessen Order üblicherweise zuerst gematcht. Tradingsoftware kann eine geschätzte Position in der Warteschlange anzeigen. Diese Anzeige ist jedoch nicht immer vollkommen zuverlässig. Es kann außerdem verlockend sein, andere Marktteilnehmer ständig um einen Tick zu unterbieten. Zu häufiges Nachziehen verkleinert jedoch den ursprünglich attraktiven Spread. Am Ende stehst Du zwar vorne in der Warteschlange, handelst aber möglicherweise zu einem Preis, bei dem der mögliche Gewinn das Risiko nicht mehr rechtfertigt.
Schritt 5: Nach der ersten Ausführung sofort neu bewerten
Sobald eine Seite gematcht wurde, besteht eine offene Position. Ab diesem Moment sollte nicht mehr der maximal mögliche Gewinn im Vordergrund stehen. Entscheidend ist die Kontrolle des Risikos.
Folgende Punkte müssen sofort überprüft werden:
- Ist die Gegenorder weiterhin realistisch?
- Hat sich das Orderbuch verändert?
- Sind neue Informationen in den Markt gelangt?
- Wie hoch wäre der Verlust bei einem sofortigen Ausstieg?
- Wie viel Zeit bleibt noch bis zum Anpfiff?
Schritt 6: Die Position korrekt ausgleichen
Werden beide Seiten zu den gewünschten Quoten gematcht, müssen die Einsatzhöhen korrekt angepasst werden. Identische Back- und Lay-Einsätze führen nicht automatisch zu einem gleichmäßigen Gewinn. Eine Hedge- oder Green-up-Funktion kann die notwendige Gegenwette berechnen und den Gewinn auf beide möglichen Ergebnisse der Auswahl verteilen. Das angezeigte Ergebnis sollte dennoch kontrolliert werden. Besonders nach Teilausführungen kann die tatsächliche Position anders aussehen, als zunächst angenommen.
Was werde ich für den Praxistest dokumentieren?
Ein einzelner erfolgreicher Trade beweist nicht, dass eine Methode langfristig funktioniert. Gerade bei illiquiden Märkten können mehrere kleine Gewinne durch einen einzigen größeren Verlust wieder verloren gehen. Für eine aussagekräftige Beurteilung möchte ich deshalb möglichst viele Beobachtungen und Trades dokumentieren.
Meine Auswertung soll unter anderem folgende Angaben enthalten:
- Datum und Wettbewerb
- gehandelter Markt
- Auswahl
- Zeitpunkt vor dem Anpfiff
- beste Back- und Lay-Quote
- Größe des Spreads
- verfügbares Geld auf beiden Seiten
- eigene platzierte Back- und Lay-Order
- verwendeter Einsatz
- Dauer bis zur ersten Ausführung
- Dauer bis zur Gegenwette
- vollständige oder teilweise Ausführung
- Bruttogewinn
- Gebühren
- Nettogewinn oder Verlust
- größter zwischenzeitlicher Verlust
- Grund für einen vorzeitigen Ausstieg
Neben den reinen Ergebnissen möchte ich auch typische Situationen beschreiben. Dazu könnten beispielsweise gehören:
- Die Back-Order wurde gematcht, die Lay-Order jedoch nicht.
- Nur ein kleiner Teil des Einsatzes wurde angenommen.
- Ein anderer Trader stellte sich vor meine Order.
- Der Spread wurde während des Wartens immer kleiner.
- Die Liquidität verschwand plötzlich vollständig.
- Ein Trade musste vor dem Anpfiff mit Verlust geschlossen werden.
Die möglichen Vorteile von Low-Liquidity Scalping
Trotz der genannten Risiken besitzt die Methode interessante Eigenschaften:
- Breite Spreads ermöglichen theoretisch größere Gewinne als ein klassischer Ein-Tick-Scalp.
- Die Quoten bewegen sich teilweise langsamer als in internationalen Topmärkten.
- Der Trader benötigt nicht zwingend eine Prognose des späteren Spielausgangs.
- Die Methode kann zunächst mit kleinen Einsätzen getestet werden.
- Das Verhalten des Orderbuchs steht stärker im Mittelpunkt als die sportliche Vorhersage.
- Der Trader kann selbst Liquidität anbieten, anstatt nur bestehende Quoten anzunehmen.
Die Nachteile und Risiken
- Nur eine Seite des Trades kann gematcht werden.
- Teilausführungen erschweren die Absicherung.
- Eine Position kann möglicherweise nicht zu einem vernünftigen Preis geschlossen werden.
- Neue Informationen können plötzliche Quotenbewegungen verursachen.
- Die sichtbare Liquidität kann innerhalb kürzester Zeit verschwinden.
- Die Warteschlangenposition ist nicht immer eindeutig erkennbar.
- Provisionen können kleine Gewinne deutlich reduzieren.
- Ein breiter Spread bedeutet nicht automatisch, dass echte Handelsaktivität vorhanden ist.
- Ein einzelner Verlust kann mehrere zuvor erzielte Gewinne aufzehren.
Für wen könnte diese Methode geeignet sein?
Low-Liquidity Scalping könnte vor allem für geduldige Trader interessant sein, die das Orderbuch genau beobachten und bereit sind, viele einzelne Vorgänge zu dokumentieren.
Hilfreich sind außerdem:
- Disziplin beim Schließen offener Positionen,
- Geduld beim Warten auf geeignete Märkte,
- ein Verständnis für Back, Lay, Haftung und Green-up,
- die Bereitschaft, kleine Verluste zu akzeptieren,
- eine konsequente Auswertung aller Trades.
Weniger geeignet erscheint die Methode für Trader, die:
- schnelle und sichere Gewinne erwarten,
- offene Positionen nur ungern mit Verlust schließen,
- bis kurz vor dem Anpfiff auf eine Ausführung hoffen,
- große Einsätze in kleine Märkte drücken möchten,
- Teilausführungen und Haftung nicht permanent kontrollieren,
- einen großen Spread automatisch für eine sichere Gewinnchance halten.
Mein geplanter Praxistest
Da ich diese Tradingvariante bisher noch nicht selbst ausgeführt habe, werde ich schrittweise vorgehen.
Phase 1: Reine Marktbeobachtung
Zunächst sollen geeignete Märkte beobachtet werden, ohne echtes Geld einzusetzen. Ich werde mögliche Orders notieren und prüfen, ob diese theoretisch ausgeführt worden wären. Dabei soll insbesondere untersucht werden, wie lange die jeweiligen Quoten im Markt verbleiben und wie häufig innerhalb eines breiten Spreads tatsächlich gehandelt wird.
Phase 2: Erste Trades mit kleinen Einsätzen
Erst nach der Beobachtungsphase sollen erste Echtgeld-Trades mit möglichst kleinen Einsätzen folgen. Das Ziel dieser Phase ist nicht ein hoher Gewinn.
Ich möchte praktische Erfahrungen mit folgenden Situationen sammeln:
- Platzierung eigener Orders,
- Position in der Warteschlange,
- Teilausführungen,
- Absicherung nach der ersten Ausführung,
- kontrollierter Verlustausstieg,
- korrekte Berechnung des Nettogewinns.
Phase 3: Auswertung der Ergebnisse
Nach einer ausreichenden Anzahl beobachteter und tatsächlich ausgeführter Trades folgt die Auswertung. Dabei soll nicht nur die reine Gewinn- und Verlustsumme betrachtet werden.
Ebenso wichtig sind:
- die durchschnittliche Zeit bis zur Ausführung,
- die Quote vollständig gematchter Trades,
- die Häufigkeit einseitiger Ausführungen,
- die durchschnittlichen Ausstiegskosten,
- der Einfluss der Provision,
- der maximale Verlust eines einzelnen Trades,
- der tatsächliche Gewinn nach allen Kosten.
Die Ergebnisse werden auf diesem Blog veröffentlicht
Dieser Beitrag soll nicht mit einer theoretischen Erklärung enden. Die geplante Testphase werde ich dokumentieren und die Ergebnisse anschließend auf meinem Blog veröffentlichen. Dabei sollen nicht nur positive Beispiele gezeigt werden. Auch problematische Trades, Fehler, Teilausführungen und Verlustausstiege gehören zu einer ehrlichen Bewertung der Methode. Eine Tradingidee sollte nicht danach beurteilt werden, wie überzeugend sie in einem theoretischen Beispiel aussieht.
Entscheidend ist, ob sie sich unter realen Marktbedingungen:
- wiederholbar,
- kontrollierbar,
- nach allen Gebühren profitabel
umsetzen lässt.
Es ist daher durchaus möglich, dass der Praxistest am Ende zeigt, dass die großen Spreads schwieriger zu nutzen sind als zunächst erwartet. Auch dieses Ergebnis wäre wertvoll. Es würde zeigen, dass die fehlende Liquidität und das Risiko einer einseitigen Ausführung den theoretischen Vorteil des Spreads möglicherweise vollständig aufzehren.
Fazit: Der Spread ist eine Chance – und gleichzeitig eine Warnung
Illiquide Fußballmärkte können interessante Möglichkeiten für Market Maker bieten. Große Abstände zwischen Back- und Lay-Quote ermöglichen theoretisch höhere Gewinnspannen als ein klassischer Ein-Tick-Trade in einem stark gehandelten Markt. Der breite Spread entsteht jedoch nicht ohne Grund. Er zeigt, dass nur wenige Marktteilnehmer bereit sind, zu den vorhandenen Preisen Geld anzubieten. Genau deshalb kann es schwierig werden, beide Seiten eines Trades vollständig auszuführen. Die eigentliche Fähigkeit eines Market Makers besteht somit nicht nur darin, zwei Orders geschickt innerhalb einer Kurslücke zu platzieren.
Entscheidend ist, eine einseitig gematchte Position zu kontrollieren, Teilausführungen richtig zu bewerten, Gebühren einzurechnen und einen notwendigen Verlust ohne langes Zögern zu akzeptieren. Low-Liquidity Scalping ist deshalb weder ein geheimer Millionärsmarkt noch eine risikofreie Einnahmequelle. Es ist eine anspruchsvolle Form des Börsenhandels, bei der Geduld, Disziplin und Risikomanagement wichtiger sind als die Größe des sichtbaren Spreads.
Für mich ist dieser Beitrag daher nicht das Ergebnis einer fertigen und bewährten Strategie.
Er ist der Beginn eines neuen Praxistests.
Die Zeit bis zum Start vieler europäischer Ligen möchte ich nutzen, um diese Tradingvariante zunächst zu beobachten, anschließend mit kleinen Einsätzen auszuprobieren und danach ehrlich auszuwerten. Ich bin selbst gespannt, ob sich die großen Spreads in illiquiden Märkten tatsächlich nutzen lassen – oder ob sich am Ende herausstellt, dass das Ausführungsrisiko größer ist als der mögliche Vorteil. Die Ergebnisse werde ich hier auf dem Blog veröffentlichen.
Hinweis: Sportwetten und der Handel an Wettbörsen sind mit finanziellen Risiken verbunden. Dieser Beitrag stellt keine Gewinnzusage und keine individuelle Wett- oder Anlageberatung dar. Setze ausschließlich Geld ein, dessen vollständigen Verlust Du verkraften kannst. Hast Du bereits Erfahrungen mit illiquiden Märkten oder eigenen Angeboten zwischen Back- und Lay-Quote gesammelt? Dann schreibe Deine Beobachtungen gerne in die Kommentare.
